Agave filifera ssp. schidigera (B. Ullrich 1992)

 
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Beschreibung:

 

Synonyme: Evtl. Agave disceptata (siehe unter Bemerkungen), Agave filifera var. adornata, var. angustifolia, var. ignescens, var. panosa / pannosa und var. schidigera, evtl. Agave perplexans (siehe unter Bemerkungen), Agave schidigera und var. angustifolia, var. ignescens, var. plumosa und var. taylorii, Agave taylorii, Agave vestita, evtl. Agave wrightii (siehe unter Bemerkungen), sowie unter dem Gattungsnamen Littaea;
Heimat: Westl. Mexiko; westl. Aguascalientes, südwestl. Chihuahua, westl. und südwestl. Durango, nördl. und zentr. Guanajuato, westl. Guerrero (bei H. S. Gentry (2003) mit Fragezeichen, siehe Fig. 6.4 auf S. 105), nördl., westl. und zentr. Jalisco, Est. de Mexico, zentr. und südl. Michoacan, Nayarit, westl. und südwestl. San Luis Potosi, Sinaloa, sowie westl., zentr. und südl. Zacatecas (nach F. Hochstätter (2015) auch in Hidalgo und Veracruz); weit verbreitet in der zentralen und südlichen Sierra Madre Occidental und der Sierra Madre del Sur, sowie in Teilen der Sierra Volcánica Transversal, u. a. in Dornwald und offenem Eichen- und Eichen-Kiefernwald, meist auf Felsen vulkanischen Ursprungs, in 450m-2600m Höhe;
Wuchsform: einzeln, kompakt, symmetrisch, einen kurzen Stamm ausbildend (nur in Kultur?), bis 75cm hoch und bis 1m (selten bis 1,2m) im Durchmesser; Blätter (dunkel- bis gräulich-)grün oder manchmal (insb. bei Trockenheit oder / und besonders intensiver Sonneneinstrahlung) gelblich-grün bis rötlich, beiderseits mit mehr oder weniger intensiver, weißer, oft V-förmiger, bis zu 3mm breiter Zeichnung (die vermutlich als Knospenabdruck der umgebenden Blätter während der Entwicklung innerhalb der zentralen Blattknospe entsteht), lanzettlich-linealisch (an oder unterhalb der Mitte am breitesten), spitz zulaufend, (schräg) aufrecht bis ausgebreitet, gerade oder nach oben und manchmal sichelförmig zur Seite gebogen, dünn, biegbar (nach T. Boeuf et al. (2017) steif), die Ränder weiß bis (hell-)braun und mit kräftigen, weißen Fasern abhaarend, in einen bis zu 2cm langen, oberseits abgeflachten, braunen bis grauen Enddorn auslaufend, bis 40cm (selten bis 50cm) lang und bis 4cm breit;
Infloreszenz: ährig, schlank, der Schaft mit schmalen, anliegenden Brakteen und die obere Hälfte bis oberen Zweidrittel mäßig bis recht dicht mit Blüten besetzt, die aus kurzen, zweigeteilten Stielen entspringen, bis 3,5m (nach G. Starr (2012) (in Kultur?) bis 4,5m) hoch;
Blüte: grün(-lich) bis gelb und oft (mehr oder weniger intensiv) rötlich-braun bis purpurn überhaucht, trichterförmig, bis 4,6cm lang; nach F. Hochstätter (2015) liegt die Blütezeit im Juli und August;
Frucht: eiförmig bis länglich, meist mit einer kurzen, schnabelartigen Spitze, bis 2cm lang und bis 9mm im Durchmesser; Samen dreieckig bis halbkreisförmig, die Oberfläche runzelig oder mit ungleichmäßigen Adern, der Rand mit scharfen Ecken, relativ dick, bis 3,5mm lang und bis 2mm breit;
Bemerkungen:

Agave filifera ssp. schidigera ist mit ihren kompakten, symmetrischen Rosetten und ihrer teils sehr deutlichen, weißen Blattzeichnung ausgesprochen attraktiv und entsprechend häufig in Kultur. Allerdings ist die Länge, Breite und Form der Blätter, sowie die Intensität der Blattzeichnung durchaus variabel (was angesichts eines solch großen Verbreitungsgebiets nicht verwunderlich ist). Dies macht es nicht gerade einfacher, sie von den anderen beiden, teils sehr ähnlichen Unterarten zu unterscheiden. Am leichtesten dürfte hierbei noch die Unterscheidung von der Typunterart fallen, denn diese sprosst meist reich, bleibt deutlich kleiner (nur bis ca. 60cm im Durchmesser und der Blütenstand nur bis ca. 2,5m hoch), bildet kürzere, dickere und steifere Blätter, kürzere (nur bis 3,5cm lange), rötliche Blüten und ihr Verbreitungsgebiet liegt eher weiter östlich (nach J. A. Vazquez-Garcia et al. (Hrsg.) (2007), S. 38 ff. und G. Hernández-Vera et al. (in JBRIT 1/1 (2007)) in Aguascalientes, Guanajuato, im südlichen Hidalgo, nordöstlichen Jalisco, nördlichen Est. Mexico und in Queretaro) in trockeneren Gegenden mit Trockenbusch-Vegetation (wobei sich die Verbreitungsgebiete ein Stück weit überschneiden, die Standorte aber ökologisch getrennt sind). Allerdings erwähnt J. A. Vazquez-Garcia et al. (Hrsg.) (2007) auch, dass sie bei ihren Feldstudien Pflanzen gefunden haben, die Merkmale beider Unterarten zeigen, weshalb sie weitere Studien für notwendig erachten. Agave filifera ssp. multifilifera und Agave filifera ssp. schidigera wachsen hingegen beide einzeln. Allerdings wird Agave filifera ssp. multifilifera größer (1m-1,6m im Durchmesser), die Blattform weicht ab (die breiteste Stelle an der Basis, darüber stetig schlanker werdend), ihr Blütenstand wird höher (bis 6m hoch) und ihre Vorkommen liegen eher weiter nördlich bis nordwestlich (*).

Hinzu kommt, dass Agave filifera und ihre Unterarten Teil einer ganzen Gruppe sehr ähnlicher Agaven sind - zu erwähnen sind hier besonders Agave colimana und die ursprünglich gar als vierte Unterart von Agave filifera beschriebene Agave multiceps. Agave colimana unterscheidet sich von der hier vorgestellten Agave filifera ssp. schidigera (u. a.) durch die eher längeren und schmaleren (bis 70cm lang und bis 2,5cm breit) Blätter mit braunem Rand, braunen (statt weißen) Fasern und kürzerem Enddorn (nur bis 8mm lang). Zudem stehen die Blüten von Agave colimana zu dritt oder zu viert (statt zu zweit) auf kurzen Stielen und weichen meist in ihrem Bau (mit ihrer langen, schmalen Blütenröhre) ab, die Kapsel-Früchte sind etwas größer (bis 2,5cm lang und bis 1,5cm im Durchmesser) und ihr Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf (vergleichsweise) küstennahe Bereiche in Colima und Jalisco. Allerdings weisen sowohl H. S. Gentry (2003) (S. 103), als auch B. Ullrich (in BCSJ Vol. 10, Nr. 3 (Sept. 1992)) darauf hin, dass die Blütenröhre bei manchen Formen von Agave colimana ("A. ortgiesiana" bei B. Ullrich) kürzer und breiter ist, wodurch die Blüten sehr den Blüten von Agave filifera ssp. schidigera ähneln (H. S. Gentry (2003) (S. 104) spekuliert gar darüber, ob es womöglich zur Introgression von Genen der hier vorgestellten Unterart in den Genpool von Agave colimana gekommen sein könnte). B. Ullrich vermutet aus diesem Grund eine nahe Verwandtschaft zwischen Agave colimana und Agave filifera ssp. schidigera (was durch die Ergebnisse der DNA-Analyse von K. C. Gil-Vega et al. (in P. Colunga-Garcia Marin et al. (Hrsg.) (2007)) bestätigt wird), verzichtet aber mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit weiterer Feldstudien bezüglich möglicher Übergangsformen darauf, Agave colimana als Unterart zu Agave filifera zu stellen.

Diesen Status hatte die nächste, hier zu erwähnende Art hingegen schon einmal inne, denn Agave multiceps wurde zunächst als Unterart von Agave filifera beschrieben und erst später in den Status einer eigenständigen Art erhoben. Von der hier vorgestellten Agave filifera ssp. schidigera unterscheidet sie sich (u. a.) dadurch, dass sie reich sprosst, deutlich kleiner bleibt (die Blätter nur bis 20cm lang und bis 2cm breit, sowie der Blütenstand nur bis 1,35m hoch) und im Blütenbau abweicht (die Blüten bis 5,5cm lang). Ihr Vorkommen liegt im südlich-zentralen Sinaloa (nach J. A. Vazquez-Garcia et al. (Hrsg.) (2007), S. 61 auch in Nayarit). U. Eggli (Hrsg.) (2001) sieht in ihr die nächste Verwandte der hier vorgestellten Unterart. Zugleich geht er von einer engen Verwandtschaft zwischen Agave filifera ssp. schidigera und Agave filifera ssp. filifera aus, hält diese aber offenbar für weit weniger eng als die zwischen Agave microceps und Agave filifera ssp. schidigera, denn er erklärt, dass er es (wohl aus nomenklatorischen Gründen) vermeiden möchte, Agave microceps als Unterart zu "Agave (filifera ssp.) schidigera" zu stellen und daher das Konzept von B. Ullrich (in BCSJ Vol. 10, Nr. 3 (Sept. 1992)) verwendet (U. Eggli (Hrsg.) (2001), S. 30) - und deutet damit an, dass er Agave filifera ssp. schidigera und Agave filifera ssp. filifera in Wirklichkeit für zwei eigenständige Arten hält.

Dies und die Entscheidung, Agave multiceps den Rang einer eigenständigen Art zuzuweisen, rückt das Problem der taxonomischen Einteilung der gesamten Gruppe in den Fokus des interessierten Betrachters. So ist Agave multiceps mit ihrer geringen Größe und ihrem Sprossverhalten Agave filifera ssp. filifera durchaus ähnlich - und die Beschreibung als Unterart von Agave filifera daher gut nachvollziehbar. J. A. Vazquez-Garcia et al. (Hrsg.) (2007, S. 61 f.) bewerten jedoch die Unterschiede im Blütenbau als so wichtig, dass sie die Pflanzen in den Art-Status erheben. Allerdings halten sie auch Agave filifera ssp. schidigera für eine eigenständige Art (Agave filifera ssp. multifilifera findet in ihrem Artikel keine Berücksichtigung). Tatsächlich führt die Mehrheit der Autoren (auch H. S. Gentry (2003) (*2), T. Heller (2003) und G. Starr (2012)) die hier als Unterarten von Agave filifera geführten Pflanzen (soweit von ihnen behandelt) als eigenständige Arten. B. Ullrich versucht hingegen, die Arten entsprechend ihrer Verwandtschaft stärker zusammenzufassen und stellt daher (in BCSJ Vol. 10, Nr. 3 (Sept. 1992)) "A. multifilifera" und "A. schidigera" als Unterarten zu Agave filifera (*3). Diese Einteilung findet sich auch bei U. Eggli (Hrsg.) (2001) (*4), F. Hochstätter (2015), T. Boeuf et al. (2017) und J. Etter + M. Kristen (www.agavaceae.com; Stand 08.01.2019). Allerdings deutet die DNA-Untersuchung von K. C. Gil-Vega et al. (in P. Colunga-Garcia Marin et al. (Hrsg.) (2007)) an, dass B. Ullrichs Einteilung womöglich falsch ist. So findet sich "A. schidigera" (zusammen mit Agave colimana und Agave ornithobroma) im Dendrogramm weit abseits von "A. filifera". Letztere scheint demnach eher in die Verwandtschaft von Agave nizandensis und "Agave yuccaefolia" (ein Synonym von Agave spicata; beide bisher Mitglied der "Amolae") zu gehören. Allerdings wurden von den "Filiferae" nur die soeben genannten Arten untersucht. Eine endgültige Aussage über die verwandtschaftlichen Beziehungen der Gruppe ist daher nicht möglich. So werden wohl erst zukünftige DNA-Analysen Klarheit in diese Fragestellung bringen, und solange diese Frage nicht endgültig geklärt ist, folgen wir hier B. Ullrich (in BCSJ Vol. 10, Nr. 3 (Sept. 1992)) und führen "A. multifilifera" und "A. schidigera" als Unterarten von Agave filifera.

Die nomenklatorische Geschichte von Agave filifera ssp. schidigera beginnt jedoch bereits viel früher, nämlich im 19. Jahrhundert (für eine ausführliche Darstellung der Geschichte siehe den Artikel von B. Ullrich (in BCSJ Vol. 10, Nr. 3 (Sept. 1992))). So fand B. Roezl die Pflanzen während einer botanischen Expedition durch Mexiko im Jahr 1860 auf einem Berg oberhalb eines Camps von Minenarbeitern (namens "Espiritu Santo") im südöstlichen Michoacan. Dort sammelte er Samen und etwa 20 Jungpflanzen. Diese (oder zumindest ein Teil davon) fanden den Weg nach Europa, wo Lemaire bereits im Jahr darauf die Pflanzen erwähnt und eine erste Beschreibung (als "Agave schidigera") veröffentlicht. Allerdings publiziert auch Scheidweiler im gleichen Jahr eine kurze Beschreibung der Pflanzen, jedoch unter dem Namen "Agave filifera var. adornata" (und im Jahr darauf als "Agave filifera var. pannosa"). Im Jahr 1862 bringt Lemaire dann eine weitere, recht ausführliche Beschreibung seiner "Agave schidigera", zusammen mit einer Zeichnung, welche H. S. Gentry später (*5) als Typus festlegt (B. Ullrich (in BCSJ Vol. 10, Nr. 3 (Sept. 1992))). Allerdings erwähnte bereits Scheidweiler im Jahr 1861 eine gewisse Variabilität bei den in Mexiko aufgesammelten Pflanzen (WVBGKPS 4 (1861)). Diese - und womöglich auch Kreuzungsversuche, sowie die mangelhafte Kennzeichnung der daraus resultierenden Pflanzen - führte(n) in den Folgejahren zu weiteren Beschreibungen.

So erwähnt Drummond im Jahr 1907 - Bezug nehmend auf eine ältere, uns und allen anderen, uns bekannten Autoren offenbar unbekannte Veröffentlichung - eine "Agave wrightii", jedoch ohne eine Beschreibung der Pflanze zu geben (ARMBG 18 (1907)). Zwei Jahre später veröffentlicht er schließlich eine ausführliche Beschreibung im "Curtis's Botanical Magazine". Wie in diesem Magazin üblich, wird die Beschreibung von einer detaillierten und teilweise kolorierten Zeichnung aller Pflanzenteile und einem anschließenden Textteil (in dem die Herkunft und Einordnung der Pflanze diskutiert wird) "flankiert", wobei zumindest der Begleittext nicht der Feder Drummonds entsprungen sein dürfte (da er im Text sonst mehrfach von sich in der 3. Person reden würde). Der Diskussion nach erhielt der Botanische Garten Kew die Pflanze im Jahr 1903 von T. H. Kellock als "Agave Taylori". Allerdings wich die Pflanze von der "echten" "A. taylori" - dem Text nach eine Hybride zwischen Agave geminiflora und womöglich "Agave filamentosa" (ein Synonym von Agave filifera ssp. filifera) - ab. Offenbar ähnelte sie stärker Agave geminiflora, weshalb man bis zu ihrer Blüte vermutete, es könne eine Form dieser Art sein. Eine genauere Untersuchung der Pflanze durch C. H. Wright ergab jedoch, dass sie offenbar näher mit "Agave angustissima" (eigentlich ein Synonym von Agave geminiflora, jedoch bisweilen fälschlich für Agave filifera ssp. multifilifera verwendet; siehe B. Ullrich in KuaS 1/1991, S. 24 ff.) verwandt ist, sich von dieser aber auch deutlich unterschied. Den Argumenten Wrights folgend, beschreibt Drummond sie schließlich als "Agave wrightii" (CBM 135 (1909)).

Im Jahr 1912 beschreibt Drummond außerdem "Agave disceptata" (CBM 138 (1912)). Auch diese Beschreibung erscheint im "Curtis's Botanical Magazine" und ist sehr ausführlich, sowie mit einer detaillierten und teilweise kolorierten Zeichnung aller Pflanzenteile und einem Textteil versehen, in welchem die Herkunft der Pflanze diskutiert wird. Demnach stammt sie aus der Sammlung von W. B. Kellock, der die Pflanze im Jahr 1893 unter dem Namen "A. Leopoldi" dem Botanischen Garten Kew gab. W. B. Kellock hielt die Pflanze für eine Hybride zwischen Agave filifera (ssp. filifera) und "Agave princeps" (ein Name, mit dem der Autor des Textes nichts anzufangen wusste, noch konnten wir ihn in der uns vorliegenden Literatur finden). Der Autor stellt aber fest, dass die Merkmale der Pflanze zu keiner denkbaren Hybride zwischen den bis dato bekannten Arten der Gattung "Littaea" (inzwischen als Untergattung zur Gattung Agave gestellt: Agave, Subgen. Littaea) passen, weshalb er sie für eine gute, in der Natur entstandene Art hält. Diese Einschätzung zweifelt Watson (in einem uns leider nicht vorliegenden Artikel aus dem Jahr 1912) jedoch an. Vielmehr hält er sie tatsächlich für eine Hybride und nennt Agave filifera (ssp. filifera) und Agave (filifera ssp.) schidigera als Eltern (B. Ullrich (in BCSJ Vol. 10, Nr. 3 (Sept. 1992))). Ein Jahr später schreibt zudem Raffill (in einem uns leider ebenfalls nicht vorliegenden Artikel aus dem Jahr 1913), dass "A. wrightii" einer der Sämlinge aus jener Kreuzung von W. B. Kellock sei, die "Agave leopoldii" hervorbrachte (B. Ullrich (in BCSJ Vol. 10, Nr. 3 (Sept. 1992))). Es ist somit bei beiden Namen ("Agave disceptata" und "Agave wrightii") unsicher, ob es sich bei den beschriebenen Pflanzen um Naturformen oder um in Kultur entstandene Hybriden handelte, und ob - für den Fall, dass es tatsächlich Naturformen waren - diese überhaupt Agave filifera ssp. schidigera zuzurechnen sind. Trotzdem führen H. S. Gentry (2003) (*6) und U. Eggli (Hrsg.) (2001) beide Namen als Synonym der hier vorgestellten Unterart, weshalb wir die Namen hier ebenfalls übernommen, aber (wegen der genannten Unsicherheiten) mit einem "eventuell" versehen haben.

Darüber hinaus erwähnt W. Trelease im Jahr 1914 (in L. H. Bailey (1914)) eine Pflanze als "Agave perplexans", die (seiner kurzen Beschreibung nach) wie eine kleine Form von Agave filifera (ssp. filifera) aussieht, sich aber durch Zähne im unteren Bereich der Blätter unterscheidet. Die Herkunft der von ihm beschriebenen Pflanze bleibt unklar, jedoch schrieb Trelease den Namen "Agave perplexans" später auf den Herbarbogen einer Aufsammlung von Whiting aus dem Jahr 1934, auf dem als Aufsammlungsort "Charcas, San Luis Potosi" genannt wird. B. Ullrich (in BCSJ Vol. 10, Nr. 3 (Sept. 1992)) lag beim Schreiben seines Artikels eine Kopie des Herbarbogens vor. Er sieht in "A. perplexans" die Beschreibung einer Form der hier vorgestellten Agave filifera ssp. schidigera, gibt aber leider keinerlei Begründung für diese Einschätzung, weshalb wir diesen Namen unter "Synonyme" ebenfalls mit einem "eventuell" versehen haben.

Agave filifera ssp. schidigera ist innerhalb ihres Verbreitungsgebiets häufig. In der Vergangenheit nutzte die lokale Bevölkerung die Fasern der Blätter zur Herstellung von Seilen (J. A. Vazquez-Garcia et al. (Hrsg.) (2007)).

In Kultur ist Agave filifera ssp. schidigera problemlos. Hier in Mitteleuropa bevorzugen die Pflanzen einen vollsonnigen Stand (während der warmen Jahreszeit gerne auch im Freien), kommen aber auch mit einer leichten Schattierung gut zurecht (in sonnigeren und heißeren Gegenden dieser Welt (z. B. in Arizona, USA) ist eine leichte Schattierung zu bevorzugen). Während der Wachstumszeit (besonders während der Sommermonate) sind regelmäßige Wassergaben von Vorteil. Allerdings sollte das Substrat (den Bedingungen in ihrer Heimat entsprechend, wo die Pflanzen meist felsige Standorte besiedeln) gut durchlässig sein (wobei wir in unserer Sammlung die Erfahrung gemacht haben, dass sogar leichte Staunässe nicht schadet; wir empfehlen aber, es sicherheitshalber nicht darauf ankommen zu lassen). Tatsächlich wächst Agave filifera ssp. schidigera nicht gerade schnell, jedoch führen regelmäßige Wasser- und gelegentliche Düngergaben zumindest zu einem etwas schnelleren Wuchs. Bis zur Blüte dürften aber, selbst bei optimaler Kultur, mindestens 10-20 Jahre vergehen. In den Wintermonaten sollten die Pflanzen hingegen kühl und trocken stehen, wobei die Frostverträglichkeit stark von der Herkunft der Pflanzen abhängt. So dürften Pflanzen von nördlichen oder / und eher hoch gelegenen Standorten mehr Frost vertragen als Pflanzen, die ursprünglich aus südlicheren oder / und tiefer gelegenen Gebieten stammen (dies gilt auch für aus Samen der jeweiligen Standorte gezogenen Pflanzen). So berichtet G. Starr (2012), dass in Tucson (Arizona, USA) ausgepflanzte "Schidigeras" Temperaturen von -8°C problemlos ausgehalten haben (G. Starr (2012), S. 236). Allerdings wird es in Arizona auch während der Wintermonate tagsüber wieder deutlich wärmer, weshalb es fraglich ist, ob die Pflanzen diese Temperaturen auch hier in Mitteleuropa ausgehalten hätten (T. Heller (2003) schreibt, dass sie "leichten Frost" vertragen, jedoch ohne eine konkrete Zahl zu nennen (T. Heller (2003), S. 109).

(*) Nach H. S. Gentry (2003) überschneidet sich das Verbreitungsgebiet ein Stück weit mit dem der hier vorgestellten ssp. schidigera (vgl. dazu H. S. Gentry (2003), Fig. 6.4 und Fig. 6.8 auf S. 105 und S. 109). Allerdings könnte die Ursache hierfür die Fehlbestimmung einiger schwierig zuzuordnender "multifiliferas" sein. So weist H. S. Gentry (2003) darauf hin, dass eine Unterscheidung dort, wo sich die Verbreitungsgebiete überschneiden, manchmal schwierig ist. Vor allem auf Felsen wachsende "Multifiliferas" können leicht für schmalblättrige "Schidigeras" gehalten werden (H. S. Gentry (2003), S. 115 f.). Interessant ist, dass die Verbreitungskarte von B. Ullrich hingegen eine klare Trennung der Verbreitungsgebiete zeigt (BCSJ Vol. 10, Nr. 3 (Sept. 1992), Map 1).

(*2) Wobei an dieser Stelle der Hinweis angebracht ist, dass es sich hierbei um einen unveränderten Nachdruck seines Werkes von 1982 handelt und dass der Artikel von B. Ullrich (in BCSJ Vol. 10, Nr. 3 (Sept. 1992)) im Jahr 1982 noch nicht existierte.

(*3) Agave microceps war B. Ullrich noch nicht bekannt, da die Pflanzen erst 1995 beschrieben wurden.

(*4) Wobei U. Eggli (Hrsg.) (2001) auch Agave microceps noch als Unterart von Agave filifera führt. Allerdings stammt die Umkombination von J. A. Vazquez-Garcia et al. (Hrsg.) (2007) aus dem Jahr 2007 und war somit noch nicht bekannt.

(*5) In seinem Orginal von "Agaves of Continental North America" aus dem Jahr 1982, von dem wir hier (mangels Orginal) den Reprint aus dem Jahr 2003 nutzen.

(*6) H. S. Gentry (2003) sieht Ähnlichkeiten zu Agave filifera ssp. multifilifera (bei ihm "A. multifilifera"), jedoch unterscheide sich "A. wrightii" von dieser durch die kürzeren Blätter, die längere Blütenröhre und die längeren Staubfäden (H. S. Gentry (2003), S. 120).

Literatur: ARMBG 18 (1907), S. 27; L. H. Bailey (1914), S. 238; BCSJ Vol. 10, Nr. 3 (Sept. 1992), S. 61 ff.; T. Boeuf et al. (2017), S. 51; CBM 135 (1909), Tab. 8271; CBM 138 (1912), Tab. 8451; P. Colunga-Garcia Marin et al. (Hrsg.) (2007), S. 23 ff.; U. Eggli (Hrsg.) (2001), S. 30; H. S. Gentry (2003), S. 119 ff.; T. Heller (2003), S 108 f.; F. Hochstätter (2015), Abs. VIII, S. 48; JBRIT 1/1 (2007), S. 499 ff.; G. Starr (2012), S. 234 ff.; J. A. Vazquez-Garcia et al. (Hrsg.) (2007), S. 38 ff. (insb. S. 70 f.); WVBGKPS 4 (1861), S. 287; Anmerkung: In KuaS 11/2014 berichtet R. Pützschel über zwei blühende "Agave schidigera" in seiner Sammlung (siehe KuaS 11/2014, S. 295 ff.). Da wir jedoch große Zweifel daran haben, dass es sich bei diesen Pflanzen wirklich um Agave filifera ssp. schidigera handelt, haben wir diesen Artikel hier nicht berücksichtigt.